„Was ich mit dem Betrieb des Weinstraßenateliers erreichen möchte...“

(Vortrag von Ulrike Fellner, gehalten am 26.7.2015 im Weinstraßenatelier)

 

Die Kunst Ludwig Fellners

Mein Onkel Ludwig Fellner wurde 1917 bei Weißenburg in Bayern geboren und verbrachte Kindheit und Jugend in Heidelberg. Die Eltern besaßen dort ein Schuhgeschäft und hatten vielleicht die Vorstellung, dass der älteste Sohn dieses später fortführen würde. Es gab noch einen jüngeren Bruder, meinen Vater, und eine Schwester.

 

Bereits in der Schule fiel Ludwigs Talent zum Malen und Zeichnen auf. Er besuchte dann aber zunächst die höhere Handelsschule. Zwanzigjährig wurde er in den Reichsarbeitsdienst und dann zum Militär eingezogen.


Es wird berichtet, dass er als Soldat in Norwegen beim Besuch einer Ausstellung, die ihn begeisterte – den Entschluss fasste, selbst Maler zu werden. Ab diesem Zeitpunkt malte er … nach dem Krieg arbeitete er dann zunächst in seinem Atelier in Heidelberg und auf zahlreichen Reisen durch ganz Europa.

 

Bereits in der frühen Phase entstanden Bilder von großer Intensität. Es folgten Studienaufenthalte an Kunstakademien, z.B. an der Freien Akademie in Mannheim und an der Landeskunstschule Hamburg. Er vervollkommnete insbesondere die anspruchsvolle Technik der Aquarellmalerei, bei der – um mit seinem Lehrer an der Sommerakademie Salzburg, Oskar Kokoschka, zu sprechen – das Sehen und das schnelle Erkennen und Realisieren des Wesentlichen eines Motivs im Vordergrund steht. Hierbei entwickelte er einen eigenen Stil, den er selbst manchmal (vielleicht scherzend) als „Fellnerismus“ bezeichnete. Frühe Bilder aus den 50er und 60er Jahren zeigen eine Nähe zum Expressionismus. Spätere Bilder sind schwerer zuzuordnen, lassen aber impressionistische Leichtigkeit erkennen.

 

Ludwig Fellner etablierte sich insbesondere als Landschaftsmaler. Auch dies erklärt seine Vorliebe für die Aquarellmalerei, denn diese Technik ist in der Landschaft, insbesondere bei Reisen, leichter zu realisieren als Malerei in Öl, bei der Materialien und fertiggestellte Bilder schwerer zu transportieren und Trockenzeiten für Bilder die Weiterfahrt erschweren.

 

In den 50er Jahren bei einer Wanderung mit einem Heidelberger Malerfreund entdeckte Ludwig Fellner die schöne Pfalzlandschaft und der Entschluss dort zu leben reifte, als er das kleine Haus am Hang in Königsbach kaufen konnte.

 

Einige Jahre später plante und baute er auf dem Grundstück sein neues Ateliergebäude – noch ohne (vielleicht störende) Nachbarbebauung. 1962 erfolgte der Umzug nach Neustadt und die Eröffnung des "Weinstraßenateliers Ludwig Fellner".

 

Wenig später lernte er dann seine Frau Ingrid kennen und beide wohnten von da an in dem Haus in der Erika-Köth-Straße.

 

Ludwig Fellner wurde zu einem der bekanntesten Maler dieser Region. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Seine Bilder wurden im In- und Ausland ausgestellt und befinden sich in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen. Mein Onkel lebte zeitlebens von der Malerei………….nicht allen Künstlern ist das vergönnt.

 

Was geschieht mit dem Nachlass eines Künstlers? Welche Vorstellungen hatte Ludwig Fellner selbst zu diesem Thema?

Der Nachlass besteht wie bei allen Malern natürlich auch hier in erster Linie aus den Bildern, die sich noch im Besitz des Malers befanden.


Es gibt hier viele Wege, wie mit solchen Bildernachlässen umgegangen werden kann. Häufig erfolgt ein Zurückziehen ins Private, Bilder werden eingelagert o.ä. Gutmeinende Erben werden darüber hinaus von Zeit zu Zeit dafür sorgen, dass eine Auswahl von Bildern zu besonderen Anlässen (z.B. runden Geburtstagen) an geeignet erscheinenden Orten ausgestellt wird.

 

Eine nachhaltige Lösung für eine Kunstsammlung zu entwickeln ist extrem aufwendig; die wenigsten Künstler verwenden einen Teil ihrer Lebenszeit und -kraft darauf, dieses zu planen und zu realisieren. So auch Ludwig Fellner. Pläne, dass und wie eine Sammlung dauerhaft bewahrt und ausgestellt werden sollte, sind nicht überliefert.

 

Soviel steht fest: Das, was Sie hier jetzt sehen, war nicht der Plan meines Onkels. Es sprengt die Vorstellungskraft des Künstlers und ehrlichgesagt manchmal auch meine. Es ist (im Augenblick) eine Maximallösung.

 

Es handelt sich um ein Projekt, mit dem versucht wird, mehr zu erreichen als die Bewahrung und gelegentliche Ausstellung einer Kunstsammlung. Hier wird der Versuch unternommen, zusätzlich auch noch das Atelier des Malers zu erhalten und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein sehr ehrgeiziger Plan, der hier auf dem Prüfstand steht!!

 

Dieses Haus erfüllte über Jahrzehnte Funktionen als Wohnhaus, Arbeitsstätte und Lebensmittelpunkt seiner Bewohner. Nebenbei wurden dort auch noch Kunstinteressierte und potentielle Kunden empfangen, und zwar ohne festes System von Öffnungszeiten - einfach wenn der Künstler anwesend war.

 

Die heutige Situation ist diametral anders.

 

Die Renovierung des Hauses im Jahr 2007, die Entfernung von viel Wohnmobiliar und -utensilien legt nun den Blick frei auf die beeindruckende Kunst am Bau. Bilder und Haus verschmelzen zu einer Einheit. Die Kunst erhält Raum und Licht. Das Haus stellt sich - im Vergleich zu früher – als große Ausstellungsfläche dar mit umfangreichen und verlässlichen Öffnungszeiten. Die Möglichkeit Haus und Bilder auf sich wirken zu lassen wurde noch gesteigert durch die Einrichtung des kleinen Cafés im Herbst 2014. Dieses hat wieder Wohnatmosphäre für die Besucher geschaffen.

 

Auf der anderen Seite: Der Wohnnutzen des Hauses ist nun stark reduziert. Die Bereitstellung als Museum bringt für die Eigentümer keinen wirtschaftlichen Nutzen. Man kann insofern von einem „negativen wirtschaftlichen Nutzen“ sprechen.

 

Was sind die Ziele dieses Projekts?

Primäres Ziel: Angestrebt wird ein ideeller Nutzen: Durch die Ausstellung von Bildern soll das Andenken an den Maler Ludwig Fellner bewahrt werden.


Für mich ein sekundäres Ziel und für die Stadt Neustadt ein primäres Ziel: Es wird darüber hinaus angestrebt, das Künstlerhaus als Ausstellungsfläche und Kunstzentrum für die Bürger von Neustadt und ihre Gäste zu erhalten.

 

Status des Projekts und nächste Schritte

Das Konzept steht nun in den nächsten Jahren auf dem Prüfstand.


Ein Thema sind die Besucherzahlen. Sie sind stark saisonabhängig und zum Teil eindeutig zu niedrig. Demgegenüber sind die Kosten der Öffnung des Hauses hoch. Mehr Besucher bedeutet ein geringeres Defizit und eine Erreichung meines ideellen Ziels.

 

Um dauerhaft Öffnungszeiten über 7 Monate rechtfertigen zu können, ist der Besuch von einheimischen Gästen unabdingbar. Daher muss die Bekanntheit dieses kulturellen Angebots bei den Bewohnern von Neustadt und den Weindörfern gesteigert werden. Hierbei ist Hilfe durch die Stadt von Nöten und sie wird bereits geleistet, sollte fortgesetzt und intensiviert werden.

 

Damit Touristen, Wanderer und Radfahrer das Haus leichter finden, ist eine Beschilderung an Wegen und Straßen nötig. Es wäre hilfreich, wenn der Ortsbeirat sich an die Grundstückseigentümer wendet, damit Hinweisschilder genehmigt werden können.

 

Die Öffnungszeiten im Haus und der Betrieb des kleinen Cafes wird seit Herbst 2014 von einem „Freundeskreis des Weinstraßenateliers“, einer Gruppe von ehrenamtlichen Helfern, unterstützt. Wir versuchen, diesen Kreis kontinuierlich zu vergrößern. Weitere Mitstreiter und Unterstützer sind herzlich willkommen bei unserem Projekt, das schöne Künstlerhaus zu erhalten und zu öffnen, mitzumachen.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse und für Ihre Unterstützung. Vielen Dank besonders an den Bürgermeister Herrn Röthlingshöfer, der dieses Treffen mit Entscheidern der Stadt angeregt und dazu eingeladen hat.

 

26.7.2015, Ulrike Fellner

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